Kiew – [–>Donald Trump (80) zögerte lange. Jetzt gab er wohl doch grünes Licht: Die Ukraine könnte Patriot-Abfangraketen bald erstmals im eigenen Land herstellen. Eine entsprechende Zusage habe ihm Trump am Rande des UN-Gipfels in New York gegeben, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) am Freitag vor Journalisten. Noch ist allerdings unklar, ob Washington die nötige Produktionslizenz bereits erteilt hat – oder der US-Präsident nur seine grundsätzliche Zustimmung signalisierte.[–>
In den Monaten zuvor hatte Selenskyj erbittert um eine eigene Lizenz gerungen. Der Hintergrund: Abfangraketen vom Typ Patriot gelten als effektivstes Mittel gegen Angriffe mit ballistischen Raketen. Doch die ukrainischen Vorräte gehen zur Neige. Den regelmäßigen russischen Angriffen, etwa auf die Hauptstadt Kiew, waren die Ukrainer deshalb zuletzt fast schutzlos ausgeliefert. Militärexperte Fabian Rene Hoffmann (29) sprach gegenüber BILD bereits im August von einer „unangenehmen Phase“ des Krieges, in der letzte Reserven „für besonders kritische Ziele“ zurückgehalten würden.
Feuerwehrmänner beseitigen Trümmer in Kiew. Die ukrainische Flugabwehr kann sich gegen russische Angriffe kaum verteidigen (Symbolfoto)
Produktion am Limit
Zwar hatte Trump Anfang Juli angekündigt, die USA würden der Ukraine „das Recht geben, Patriots herzustellen“. Bei anderen Gelegenheiten äußerte er sich später jedoch deutlich zurückhaltender. Ein möglicher Grund: Trump strebt weiterhin einen „Deal“ mit Kreml-Herrscher Wladimir Putin (73) für einen möglichen Frieden im Ukraine-Krieg an. Er vermied deshalb viele Maßnahmen, die die Russen als Provokation auffassen könnten. Zuletzt war jedoch auch im Weißen Haus der Unmut über Putin gewachsen, der sich auf keinerlei Kompromisse einlässt.
Ein weiterer Grund ist wohl praktischer Natur: Seit dem Iran-Krieg ab Februar dieses Jahres haben die USA ihre Vorräte an Patriot-Abwehrraketen stark aufgebraucht. Aktuell werden fast alle Kapazitäten benötigt, um den eigenen Bestand aufzustocken. Sollte die Lizenz für die Ukraine jetzt aber endgültig erteilt werden, würde der zweite Produktionsstandort außerhalb der USA entstehen – neben Schrobenhausen bei Augsburg, wo aktuell ebenfalls ein Werk aufgebaut wird.